Der israelische Präsident Yitzhak Herzog hat dem Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot offiziell den Auftrag erteilt, eine neue Regierung zu bilden. Obwohl Eisenkots Mitte-Partei Jashar bei den jüngsten Parlamentswahlen hinter der rechtskonservativen Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu lag, erhielt der 66-jährige ehemalige Militärchef die meisten Empfehlungen. In Konsultationen mit allen Parteien sprachen sich Abgeordnete von Parteien mit insgesamt 67 der 120 Sitze für Eisenkot aus.

Eisenkot hat nun 28 Tage Zeit, um eine Koalition zu formieren, wobei der Präsident diese Frist um maximal 14 Tage verlängern kann. Ziel des Oppositionsführers ist es, eine stabile „nationale Notstandsregierung“ zu etablieren, um eine erneute Wahlrunde zu vermeiden und Netanyahu aus dem Amt zu drängen. Sollte Eisenkot scheitern, kann Herzog einen anderen Kandidaten beauftragen, wobei Netanyahu als mögliche Option gilt; dieser hätte dann ebenfalls 28 Tage Zeit.

Die politische Stimmung bleibt angespannt, da Benjamin Netanyahu kurzfristig zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit aufrief. Diese sollte neben der Likud und zwei ultraorthodoxen Parteien auch die rechtsextremen Formationen Religiöser Zionismus von Bezalel Smotrich sowie Ozma Jehudit von Itamar Ben-Gvir umfassen. Netanyahu warnte zudem davor, dass eine Regierung, die auf arabische Parteien angewiesen sei, Israel von innen heraus zerstören würde.

Eisenkot wies Netanyahus Aufruf als „billige PR-Masche“ zurück und warf ihm vor, die Gesellschaft gespalten zu haben. Für seine potenzielle Regierung formulierte Eisenkot vier Grundprinzipien: Israel müsse ein jüdischer und demokratischer Staat bleiben und die Werte der Unabhängigkeitserklärung achten. Zudem fordert er eine allgemeine Dienstpflicht für alle Bürger, einschließlich der arabischen Minderheit, sowie die Zerschlagung der militärischen und politischen Strukturen der Hamas im Gazastreifen.