Eine Serie von Cyberangriffen auf die Kühlsysteme europäischer Supermärkte hat in Schweden, Belgien und Luxemburg zu massiven Warenverlusten geführt. In der Nacht auf Montag wurden Geräte in Dutzenden Filialen der Ketten Ica und Coop in Schweden sowie Delhaize und Carrefour in Belgien ferngesteuert auf bis zu 55 Grad hochgedreht. Rickard Nilsson, Chef eines Ica-Markts in Sjöbo, berichtete der Zeitung Aftonbladet, dass heiße Luft in die Tiefkühlungen geblasen wurde und die Ware ruiniert sei. Während Ica von einer begrenzten Anzahl betroffener Geschäfte sprach, bestätigte Coop sechs betroffene Märkte; in Belgien waren mindestens 40 Delhaize-Filialen und 15 Standorte von Carrefour betroffen.
Diese Vorfälle folgen einem Muster, das bereits drei Wochen zuvor in Frankreich beobachtet wurde. Dort übernahmen Angreifer am 12. Oktober die Kontrolle über bis zu 700 Supermärkte, darunter über 300 Filialen von Intermarché und Netto sowie jeweils 80 Standorte von Carrefour und Coopérative U sowie 30 Monoprix-Märkte. Die Geräte wurden in einen Abtauzyklus versetzt, wodurch Temperaturen von rund 50 Grad und in einem Fall in der Normandie sogar 80 Grad erreicht wurden. Die Folgen waren weitreichend: Geräte fingen Feuer, Sprinkleranlagen verursachten Wasserschäden und der Chef der Intermarché-Mutter Les Mousquetaires rechnet mit Verlusten in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro.
Im Zentrum der Sicherheitslücke stehen Steuergeräte des dänischen Herstellers Danfoss, insbesondere die Modelle AK-SM 800 und AK-SC 355. Diese Modelle befinden sich seit 2021 beziehungsweise 2016 am Ende ihres Lebenszyklus und erhalten keine Sicherheitsupdates mehr. Sicherheitsforscher von Claroty wiesen bereits im Vorjahr darauf hin, dass die Geräte über ein öffentlich erreichbares Login mit dem Benutzernamen „admin“ und einem aus dem Datum ableitbaren „Tagescode“ verfügen. Obwohl Danfoss einen Patch für die neue Modellreihe AK-SM 800A veröffentlichte, blieben veraltete Firmware-Versionen sowie Steuerungen von Copeland und Dixell angreifbar.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser IT-Vorfälle gehen nach ersten Schätzungen in die Millionen Euro. Die französische Cyberbehörde ANSSI wurde von Premierminister Sébastien Lecornu beauftragt, die Abstimmung mit anderen europäischen Ländern zu koordinieren. Die Behörde CERT-FR riet dazu, die Steuerungen vom Netz zu nehmen oder den Zugriff strikt zu filtern. Dass es zu erneuten Angriffen kam, unterstreicht die langsame Umsetzung dieser Maßnahmen, da Supermärkte ihre Kältetechnik oft an Dienstleister auslagern und somit keine direkte Kontrolle über die Gerätesicherheit haben.




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