Beim ersten Circular Innovation Award Austria im Wiener Haus der Industrie wurden Unternehmen geehrt, die wirtschaftliche Modelle für die Kreislaufwirtschaft implementiert haben. Eine internationale Jury wählte aus 57 Einreichungen fünf Kategoriesieger sowie zwei Sonderpreisträger aus. Hinter der Initiative stehen das Circular Economy Forum Austria, die Kanzlei Schiefer Rechtsanwälte und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark, unterstützt durch das Landwirtschafts- und Klimaschutzministerium sowie die Wirtschaftsagentur Wien.
Unter den Gewinnern sticht das Wiener Scale-up refurbed in der Kategorie Business Model Innovation hervor. Das Unternehmen, das in 24 Ländern aktiv ist und einen Marktplatz für generalerneuerte Elektronik betreibt, erwartet in diesem Jahr erstmals einen Umsatz von über 100 Millionen Euro. Ebenfalls prämiert wurde das Grazer Startup byeagain als Circular Startup of the Year, welches KI-gestützte Prozesse für die Aufbereitung von Retourware als Dienstleistung anbietet.
Industrielle Durchbrüche wurden ebenfalls gewürdigt, darunter die „Rezon“-Mehrwegflasche von Vetropack Austria und die GLASY-Technologie von Brantner Green Solutions zur Glasrückgewinnung aus Restmüll. GzG Gipsrecycling, ein Joint Venture von PORR, Saint-Gobain Austria und Saubermacher, erhielt den Award für zirkuläre Kollaboration für die erste Gips-zu-Gips-Anlage Österreichs. Sonderpreise gingen an BauKarussell für sozialen Impact sowie an Salesianer als Circular Pioneer für dessen Mietmodell für Berufskleidung.
Die politische Bedeutung der Transformation unterstreichen Bundesminister Norbert Totschnig und Peter Hanke. Hanke konkretisierte, dass Österreich bis 2035 unter die Top 3 Europas bei der zirkulären Materialnutzung aufsteigen will, wobei bis 2029 im Rahmen der Industriestrategie 2035 Fördermittel in Höhe von 2,6 Milliarden Euro bereitstehen. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner betonte zudem, dass eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft eine echte wirtschaftliche Chance darstelle.
Trotz dieser Ambitionen bleibt die aktuelle Lage herausfordernd. Laut der Europäischen Umweltagentur stammten im Jahr 2023 lediglich 14,3 Prozent der in Österreich eingesetzten Materialien aus Recycling. Zwar ist dies eine Verdopplung gegenüber 2010, doch die nationale Strategie peilt bis 2030 eine Quote von 18 Prozent an, um den Anschluss an die europäische Spitze nicht zu verlieren.




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