Präsident Yitzhak Herzog wird voraussichtlich am Sonntag den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen. Favorit für das Amt des Ministerpräsidenten ist der 66-jährige Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot, für den sich bereits eine Mehrheit der Abgeordneten im israelischen Parlament ausgesprochen hat. Nach den jüngsten Wahlen konnte weder das Bündnis des amtierenden Regierungschefs Benjamin Netanyahu noch das von Eisenkot die absolute Mehrheit der Sitze erringen.
Eisenkot, ein ehemaliger Chef der israelischen Streitkräfte von 2015 bis 2019, gilt als pragmatischer und zurückhaltender als sein Vorgänger. Während er Netanyahu vorwirft, die israelische Gesellschaft gezielt gespalten zu haben, strebt er eine Wiederstärkung der Beziehungen zu den USA an. In einem Gespräch mit der „Jerusalem Post“ bezeichnete er es als ironisch, dass Netanyahu Israel auf den Tiefpunkt der Beziehungen zur amerikanischen Gesellschaft geführt habe.
In der Sicherheits- und Außenpolitik wird kaum mit einem grundlegenden Kurswechsel gerechnet. Eisenkot lehnt eine Zweistaatenlösung ab und verfolgt gegenüber dem Iran ähnliche Ziele wie Netanyahu, insbesondere die Verhinderung einer atomaren Bewaffnung und die Ausschaltung des Raketenprogramms. Er unterscheidet sich jedoch dadurch, dass er den Sturz der iranischen Führung nicht als erklärtes Kriegsziel verfolgt und im Gazastreifen eher bereit wäre, sich mit dem Weißen Haus über die Entwaffnung der Hamas und eine neue Verwaltung abzustimmen.
Ein deutlicher Unterschied zeichnet sich im Umgang mit der Siedlergewalt im besetzten Westjordanland ab, wo Eisenkot ein stärkeres Vorgehen gegen gewalttätige Siedler plant, wenngleich er die Siedlungspolitik grundsätzlich nicht infrage stellt. Der Weg ins Amt bleibt jedoch steinig: Eisenkot muss innerhalb von 28 Tagen eine Koalition bilden, wobei eine Verlängerung um 14 Tage möglich ist. Es wird erwartet, dass der 77-jährige Netanyahu versuchen wird, diesen Machtwechsel durch politische Manöver zu verhindern.



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