Der geplante Börsengang des KI-Labors Anthropic steht vor erheblichen Herausforderungen. Nachdem Anfang Oktober noch eine Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar im Raum stand, bezweifeln wichtige Investor:innen laut Berichten des Wall Street Journal und Reuters nun die Erreichbarkeit der zuletzt angepeilten 1,5 Billionen Dollar. Einige Marktteilnehmer sehen den realistischen Wert eher bei 1 Billion Dollar, was nur knapp 4 Prozent über der Bewertung der Series-H-Finanzierungsrunde vom Mai läge, bei der das Unternehmen 65 Milliarden Dollar sammelte.

Die Marktstimmung verschlechterte sich drastisch nach den US-Midterms und dem Sieg der Demokrat:innen. Die Nasdaq verlor an einem einzigen Tag rund 2,5 Billionen Dollar an Börsenwert, wobei Chipwerte und Rechenzentrumsbetreiber zweistellig einbrachen. Es besteht die Sorge, dass der neue Kongress den Bau von Rechenzentren bremsen und KI-Firmen strenger regulieren könnte. Senatorin Elizabeth Warren hat Anthropic-Chef Dario Amodei bereits aufgrund der im Prospekt offengelegten Risiken angeschrieben.

Finanzielle Kennzahlen verstärken die Skepsis der Anleger. Im dritten Quartal erzielte Anthropic zwar einen Rekordumsatz von rund 17 Milliarden Dollar, was einer Verzwölffachung gegenüber dem Vorjahr entspricht, schrieb jedoch gleichzeitig einen Nettoverlust von 23 Milliarden Dollar. Zudem belaufen sich die Verpflichtungen für Rechenleistung und Infrastruktur auf rund 895 Milliarden Dollar. Aufgrund dieser Rekordverluste fordern Insider laut Reuters möglicherweise einen größeren Abschlag beim IPO-Preis.

Auch der Zeitplan für die Notierung unter dem Kürzel „ANT“ an der Nasdaq steht auf der Kippe. Während der Börsengang ursprünglich für Mitte November geplant war und die Roadshow nächste Woche starten sollte, fordern einige Investor:innen zunächst Einsicht in die Zahlen für Oktober. Zusätzlich hatte New Yorks Finanzkontrolleur Mark Levine bereits im Oktober eine Pause des Börsengangs gefordert, bis Fragen zur Unternehmensführung und KI-Sicherheit geklärt sind. Das Unternehmen wollte die Berichte nicht kommentieren.