Die Parlamentswahl in Israel hat laut ersten Prognosen keinen klaren Sieger hervorgebracht, was die Regierungsbildung völlig ungewiss macht. Zwar bleibt die Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu mit geschätzten 24 bis 25 der insgesamt 120 Mandate die stärkste Einzelpartei, doch seinem Lager fehlen entscheidende Sitze für eine absolute Mehrheit. Demgegenüber steht das Lager des Ex-Militärchefs Gadi Eisenkot und dessen Mitte-Partei Jaschar, die laut Channel 11 auf 21 Mandate kommt und insgesamt etwa drei Sitze vor dem Block Netanjahus liegt, der lediglich 50 Sitze erreichen würde.
Die Opposition wertet diese Ergebnisse als deutliche Niederlage für den amtierenden Premierminister. Oppositionsführer Jair Lapid sprach von einem "totalen Kollaps" und einer "vernichtenden Niederlage" des Netanjahu-Blocks. Auch Jair Golan, Vorsitzender der linksliberalen Demokraten, sieht darin die Chance für eine "Regierung des echten Wandels". Gadi Eisenkot betonte, dass die Bürger Netanjahu und der für den 7. Oktober verantwortlichen Regierung das Vertrauen entzogen hätten, und kündigte an, schnellstmöglich eine zionistische Regierung zu bilden, die sich der Wehrpflicht für alle verpflichtet.
Eine zentrale Rolle bei der künftigen Koalitionsbildung könnten die arabischen Parteien spielen, die deutliche Zugewinne verzeichneten. Die islamisch-konservative Raam-Partei käme laut Prognosen auf sieben Sitze, während die linksgerichtete Vereinigte Liste zehn Mandate gewinnen würde. Da weder das Lager Netanjahus noch das seiner Rivalen allein eine Mehrheit erreicht, könnten diese Parteien maßgeblich darüber entscheiden, wer künftig den Premierminister stellt.
Die Wahl war von einer außergewöhnlich hohen Beteiligung geprägt. Bis 19:00 Uhr MEZ hatten 74,3 Prozent der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt, was die höchste Beteiligung zu diesem Zeitpunkt seit Jahrzehnten darstellt; zum Vergleich lag dieser Wert vor vier Jahren bei 66,3 Prozent. Während Netanjahu und die Likud-Partei noch nicht zu den Ergebnissen Stellung nahmen, begann bereits in der Wahlnacht das taktische Manöver, um gegnerische Blöcke zu destabilisieren.




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