Die SPÖ in Graz leitet nach einer schweren Wahlniederlage einen umfassenden Neuaufstellungsprozess ein. Im Gemeinderat sind nur noch zwei Mitglieder der Partei vertreten, Daniela Schlüsselberger und Patrick Trabi. Diese sollen nun einen Beteiligungsprozess steuern, der im Herbst 2027 in einer offiziellen Neugründung der Stadtpartei gipfeln soll. Die Geschäftsführung liegt derzeit bei Landtagsklubobmann Hannes Schwarz, nachdem Doris Kampus ausgeschieden ist.
Landesparteichef Max Lercher hat in einem Brief an alle Grazer Haushalte, der zwischen dem 6. und 8. November verteilt wird, den Vertrauensverlust der Sozialdemokratie in der Stadt eingeräumt. Unter dem Motto „Es gibt nichts zu beschönigen“ fordert er die Bevölkerung zur Mitarbeit auf, unabhängig von einer Parteimitgliedschaft. Lercher betont, dass ein bloßer Austausch der Führungsebene, wie es in der Vergangenheit nach Niederlagen gesah, dauerhaft nicht funktioniert habe.
Der Prozess setzt auf einen dialogorientierten Ansatz, bei dem die Partei zunächst zuhört und Fragen stellt, bevor eigene Ideen präsentiert werden. Die Bürger sollen auf zwei Kernfragen antworten: Was muss sich in Graz verbessern und ob sie den Weg der Partei kritisch begleiten wollen. Die Antworten werden von Schlüsselberger und Trabi gesichtet. Zudem werden externe Experten wie der Thinktank Momentum, das Renner-Institut sowie erfolgreiche Bürgermeister aus Wien, Linz und Salzburg hinzugezogen.
Als erster Meilenstein ist eine öffentliche Auftaktveranstaltung am 2. Dezember in der Bakerhouse Gallery in Graz-Gries geplant. Hannes Schwarz erklärte, dass es bei diesem Prozess „keine Tabus“ gebe, während Schlüsselberger das Ziel betonte, aus dem Hinhören zu lernen. Das übergeordnete Ziel von Max Lercher ist die Schaffung einer „modernen, urbanen und breiten Sozialdemokratie in Graz“ bis zur Konferenz im Herbst 2027.




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