Der australische Design-Riese Canva führt eine radikale Umstrukturierung durch, die mit dem Abbau von 1.271 Stellen einhergeht. Dies entspricht etwa 22 Prozent der gesamten Belegschaft und markiert die erste unternehmensweite Kündigungswelle in der 13-jährigen Geschichte des Unternehmens. CEO Melanie Perkins bezeichnete diesen Schritt in einer Nachricht an die Mitarbeiter als den schwierigsten Moment der Firmengeschichte, wobei das Ziel darin bestehe, zu kleinen Teams mit hoher Entscheidungsfreiheit zurückzukehren.
Die strukturellen Änderungen sehen vor, dass die Bereiche Produkt, Growth und Plattform zu einer einzigen Produktorganisation verschmolzen werden, wodurch Managementebenen wegfallen. Zudem wird Sydney verstärkt als Zentrum für Produktteams ausgebaut, wobei Mitarbeiter ab Januar im Hybridmodell zwei bis drei Tage pro Woche im Büro präsent sein müssen. Betroffene Mitarbeiter erhalten unabhängig vom Standort mindestens sechs Monatsgehälter, behalten ihr Firmen-MacBook und können einen Zuschuss von 10.000 Dollar für die Gründung eines eigenen Startups erhalten.
Finanziell steht Canva unter Druck, da das Umsatzwachstum erstmals seit zehn Jahren eingebrochen ist. Während 2023 noch ein Plus von 45 Prozent verzeichnet wurde, sinkt die Prognose von 38 Prozent im Jahr 2025 auf lediglich rund 20 Prozent für 2026. Mitgründer Cliff Obrecht erklärte im August, dass die Kosten pro Nutzer durch KI-Funktionen von wenigen Cents auf deutlich höhere Beträge gestiegen seien, was den Rollout von Canva AI 2.0 verzögerte.
Diese Entwicklung spiegelt sich in der Marktbewertung wider: Der größte Geldgeber Blackbird senkte die Bewertung im August um 17 Prozent auf 34,9 Milliarden Dollar, während Canva sich intern nur noch mit 31 Milliarden Dollar bewertet. Der für 2027 geplante Börsengang soll Berichten zufolge auf Eis liegen. Der Wettbewerbsdruck durch KI-Labore wie Anthropic sowie Startups wie Lovable verschärft die Lage, ähnlich wie es bei Konkurrenten wie Figma oder Miro der Fall ist.




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